Harry Potter - Visions of Magic


Was wäre, wenn der Besuch im Raum der Prophezeiungen so abgelaufen    wäre?

Stell dir vor, du bist gerade noch im belebten Foyer des Ministeriums, umtriebige Menschen und beschäftige Wesen, Trubel und Gespräche überall wo du hinsiehst. Dann betrittst du einen Gang, menschenleer und stockduster. Du siehst dich um, aber niemand folgt dir oder sieht dir auch nur hinterher. Ein kleines Licht an der Spitze deines Zauberstabs leitet deinen Weg und du biegst zögerlich um eine Ecke. Dann trittst aus der Dunkelheit in einen Raum. Deine Augen müssen sich erst daran gewöhnen, die vielen Lichtpunkte als das zu erkennen, was sie sind: Große und kleine Kugeln aus Glas. Du trittst durch den Türrahmen, siehst genauer hin und erkennst: Sie leuchten unterschiedlich hell, aber in jeder von ihnen wabert ein verheißungsvoller Nebel. Du gehst einen, zwei Schritte weiter hinein und bemerkst erst jetzt: Regale; hunderte Regale, meterhoch und bis unter die Decke gefüllt mit Glaskugeln. Oder täuscht das nur? Dann hörst du es das erste Mal. Das Flüstern.

Erst eine, dann mehrere Stimmen. Dein Gefühl sagt dir, du solltest umkehren, aber du bist zu neugierig. Du schaust dich um, aber du erkennst niemanden. Du versuchst, eine der Stimmen deutlicher wahrzunehmen und folgst ihrem Klang zu einer der Kugeln, die besonders hell leuchten. Sie thront etwa auf Augenhöhe auf einem zylindrischen Holzgestell. Du hälst deinen Zauberstab daran, um zu sehen, ob es eine Plakette trägt, die verrät, was es damit auf sich hat. Plötzlich flammt die Kugel auf und die Stimme, die dich zu ihr gelockt hat, wird lauter. Du vernimmst Worte wie „Gefahr“, „auserwählt“ und „Tod“, und dir stockt der Atem. Mit einem Mal werden auch alle anderen Stimmen lauter und klarer. Du fährst herum, weil du glaubst, einen Lufthauch wahrzunehmen. Ist noch jemand hier? Du hälst mit erhobener, aber zittriger Hand den Zauberstab vor dich, bereit, dich gegen etwas zu verteidigen, das du nicht sehen kannst. Statt eines anderen Menschen siehst du vor dir eine Abzweigung nach der anderen, Stimmen, die von überall zu kommen scheinen.

Dein Herz schlägt schneller, als du langsam einem Gefühl folgst, dass dich tiefer zwischen die Regale zieht. Schon nach wenigen Sekunden beschleicht dich eine böse Ahnung, dass du nicht ohne Weiteres wieder hier herausfinden wirst. Plötzlich kommt dir alles wie ein Labyrinth vor, in dem jeder Gang gleich aussieht. Die Glaskugeln beginnen heller zu leuchten und weisen dir doch keinen Weg; blenden dich eher, erzählen alle eine andere Geschichte. Du bildest dir ein, im Nebel mancher von ihnen Bilder zu erkennen. Und während die Stimmen immer lauter werden, fühlt es sich an, als würden sie deinen schneller werdenden Herzschlag als Rhythmus übernehmen. Du bleibst stehen und schaust dich panisch um; willst versuchen, dich zu orientieren. Aber das Licht und die Stimmen pulsieren in deinem Kopf, immer schneller, immer lauter, immer heller, bis du nicht mehr klar denken kannst. Du hälst den Atem an und öffnest den Mund um zu schreien, als es plötzlich still wird. Still und dunkel.